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  • Der analoge Mensch in der digitalen Gesellschaft?

    2001 wurde mit dem Zeitschriftenartikel «Digital Natives, Digital Immigrants» zwei Begriffe und eine Unterscheidung eingeführt, die bis heute für Debatten sorgen. Die Unterscheidung ist die zwischen Jugendlichen, die bereits in einer weitgehend digital bestimmten Welt aufgewachsen sind und für die Mobiltelefonie, Digitalkameras und Internet ganz selbstverständlich immer schon Teil der Welt gewesen sind, und anderen, meist älteren Menschen, die sich digitale Technologien, Medien und Werkzeuge erst in einem Prozess des “Umlernens” aneignen müssen. Die Unterscheidung geht dabei auf Erfahrungen und Beobachtungen unterschiedlicher Nutzungs- und Lernverhalten zurück, die grob zwischen “analog” und “digital” differenzieren.

    Die Metapher der “Immigranten” steht für die Beobachtung, dass viele Menschen trotz Verwendung digitaler Technologien skeptisch, distanziert und unsicher in der Anwendung bleiben. Die Welt des digitalen Zeitalters bleibt ihnen immer ein wenig fremd. Studien zeigen freilich regelmäßig, dass es so etwas wie «Digital Natives» versus «Digital Immigrants» als homogene Gruppen mit klar zuschreibbaren Kompetenzen beziehungsweise Defiziten oder Problemen nicht gibt. Das Aufwachsen in einer Welt, in der Blogs eine große Rolle spielen und Netzkultur immer relevanter wird, heißt zum Beispiel nicht, dass Bloggen den Jugendlichen eine selbstverständliche Kulturtechnik ist. Genauso wenig wie Plattformen für «social networking», Skype und Chats von älteren Semestern gemieden werden, weil diese noch in einer Zeit des Schwarzweiß-Fernsehens sozialisiert wurden. Peter Kruse leitet aus seiner Forschung einen anderen wirkungsmächtigeren Unterschied ab, nämlich den zwischen «Digitalen Besucher_innen» und «Digitalen Einwohner_innen».