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  • Das Netz im Netz: Facebook

    Facebook ist eine der bekanntesten und in mancherlei Hinsicht “mächtigsten” Web 2.0 Plattformen. Es handelt sich um eine seit Jahren immer vielschichtiger werdende Website und Plattform «zum Erstellen und Betreiben sozialer Netzwerke», wie der Wikipedia Eintrag zu Facebook das eingangs definiert. Als «Thefacebook» im Februar 2004 als vorerst geschlossenes System nur für Studierende an us-amerikanischen Universitäten online geht, ist es vor allem eine Kontaktverwaltung unter Studierenden, eine Umsetzung von College- und University-Jahrbüchern für das Web. Noch im selben Jahr wird eine Gruppen-Funktion freigeschalten und Benutzerkonten bekommen “Pinnwände”, eine Art Blog-, Gästebuch und Kommentar-Funktion, nur dass diese Pinnwände vernetzter Benutzer_innen zusammengeschalten sind. Mit dem Jahr 2006 ist die Plattform um Funktionen und Benutzer_innen gewachsen, sie wird zur allgemeinen Nutzung geöffnet. Mit 2007 ist die «Share»-Funktion eingeführt, mit der Pinnwand-Einträge anderer mit einem Klick geteilt werden können. Information in Form von Links, Bildern, Nachrichten und Videos kann sich entlang der Benutzer_innen-Beziehungen immer leichter, schneller und weiter (= viraler) verbreiten. Online-Spiele werden präsenter. Mit 2008 wird die Plattform internationaler und beginnt weltweit Nutzer_innen zu gewinnen. Die eigene Chat-Funktion wird integriert. 2009 nimmt die Allgegenwart von Facebook außerhalb der eigenen Website mit dem «Like»-Button zu. 2011 gibt es angeblich eine halbe Milliarde aktiver Benutzerkonten weltweit auf der Plattform. Facebook ist zu einem riesigen Netz im Netz geworden und zu einem mächtigen Global Player.

    Die enorme Größe von Facebook ist irreführend, wenn sie für Analogien mit Bevölkerungszahlen großer Staaten gebraucht wird, um den Eindruck riesiger “Communities” und sagenhafter Reichweiten zu machen. Die Plattform facebook.com bietet Infrastruktur und verbindet nicht alle Nutzer_innen, so wenig wie das “das” Radio, “das” Fernsehen oder “das” Telefon machen. Das durchschnittliche Benutzerkonto hat zwischen ein- und zweihundert “Freundschaftsbeziehungen”, also Verbindungen zu anderen Benutzerkonten. Das technische Maximum an “Freunden” liegt bei 5.000 Kontakten, “Fanseiten” von Organisationen oder Unternehmen können zehn- bis hunderttausende “Fans” haben, was sowohl selten ist als auch eigentlich “wenig”, wenn wir die Relation zu Einschaltquoten im Fernsehen bemühen. Und last but not least bedeuten viele Kontakte nicht, dass zwischen diesen vielen, technisch verbundenen Benutzerkonten und Seiten auch tatsächlich Informationen ausgetauscht werden. Das Nutzungsverhalten auf der Plattform ist divers. Häufig mit vielen Anderen zu kommunizieren ist nur eine Praxis. Hie und da mit wenigen, ausgesuchten Bekannten Kontakt zu halten, wäre eine andere.

    Welche Leute wir auf der Plattform vorfinden, das entscheidet im geringsten Maße Facebook und in viel höheren Maßen unser Milieu und unsere Interessen, die Frage, mit wem wir bekannt sind, und die Frage, welche Ausschnitte von Welt uns interessieren. Es sind unsere Netzwerkverbindungen, durch die strukturiert wird, von wem wir etwas mitbekommen und was wir alles mitbekommen und was nicht. Es sind die Kompetenzen und Praktiken unserer Kontakte, die den Fluss an Information bestimmen, den wir mitbekommen. Und es ist unsere Sache, welche Informationen wir in unsere Netzwerke einpflegen, was wir weiterleiten und wie wir mit den anderen entlang unserer Beziehungsnetzwerk kommunizieren.

    Die andere Seite neben der Infrastruktur der Plattform “zum sozialen Netzwerken” ist das Unternehmen «Facebook, Inc.». Hier wirkt sich die enorme Größe dieses Global Player viel mehr aus. Das Unternehmen ist eines der einflussreichsten und mächtigsten der Werbe- und Kulturindustrie, muss laufend wachsen und Umsätze erwirtschaften. Seine Kunden sind die Werbewirtschaft, finanzstarke Organisationen und Unternehmen, nicht die Millionen Nutzer_innen. Dementsprechend willkürlich, intransparent und invasiv operiert das Unternehmen, auch auf der Plattform selbst. Eine kritische Alternative in klarer Abgrenzung zu Facebook versucht daher «Diaspora» auf der Basis freier Software zu sein.