Netzkultur Selbstorganisation

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  • Freie Software und die Freie Software Bewegung

    Vor 20 Jahren beginnt ein finnischer Student, Linus Benedict Torvalds, mit der Programmierung eines Betriebssystems und stellt es im Spätsommer 1991 zur Weiterentwicklung in bearbeitbarer Version ins Internet. Zu diesem Zeitpunkt haben bereits andere, von Richard Stallman initierte Projekte wie das «GNU-Manifest» mit den Zielen ein freies Betriebssystem und freie Software zu ermöglichen, wichtige Vorarbeiten geleistet. GNU/Linux wird entwickelt. Aus der Synergie dieser Projekte geht eine Entwicklung hervor, die die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts nachhaltig verändert und viele spätere Projekte inspiriert wie die Wikipedia, die Creative Commons Lizenzen, den Firefox Browser, OpenStreetMap, Apache etc. Das Betriebssystem «Linux» und das Prinzip Freier Software beziehungsweise “Open Source” nehmen einen zentralen Platz in der modernen elektronischen Datenverarbeitung (EDV) ein.

    Gemeinsam ist “Freier Software” und “Open Source”, dass der so genannte Quellcode eines Anwendung von jeder Person einsehbar ist, die über ein entsprechendes Programm verfügt. Dadurch können alle mit entsprechenden Kenntnissen den inneren Aufbau von Anwendungen nachvollziehen, überprüfen und Schwachstellen oder Fehler ausbessern. Der Unterschied liegt vor allem im Selbstverständnis. Während “Open Source” ein geeigneterer Marketing-Begriff ist, verstehen sich Befürworter «Freier Software» als soziale Bewegung, die gesellschaftliche Änderungen fordert.

    Die Forderungen dieser Bewegung basieren auf den Grundsätzen, die von Richard Stallman als vier Freiheiten definiert wurden. Erfüllt das Programm eine dieser Bedingungen nicht, ist es keine «Freie Software»:
    1. Die Freiheit, das Programm zu jedem beliebigen Zweck zu nutzen und das Programm auszuführen (Freiheit 0).
    2. Die Freiheit, das Programm und seine Funktionen zu studieren und es den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen nach zu verändern (Freiheit 1).
    3. Die Freiheit, das Programm beliebig oft zu kopieren und diese Kopien zu verbreiten, um anderen damit zu nützen (Freiheit 2).
    4. Die Freiheit, das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen an die Gemeinschaft weiterzugeben (Freiheit 3).

    Der gesellschaftliche Anspruch trennt die “Open Source” Idee von der Freien Software. Seitens der Open Source Befürworter_innen wird befürchtet, dass das Pochen auf Freiheiten potentielle Geldgeber abgeschreckt. Umgekehrt wir die genaue Definition der Begriffe von den Protagonist_innen der Freie Software Bewegung als wichtig angesehen. So wird etwa die Bezeichnung “Schöpfer_in” im Sinne von “Ersteller_in eines Werks” abgelehnt. Die religiöse Konnotation des Wortes suggeriert, diese Person habe absolute Rechte, etwa das Recht Copyright zu erstellen. Stattdessen wird der Begriff “Autor_in” bevorzugt. Um Einschränkungen in der Software-Entwicklung durch das “Copyright” entgegenzutreten, war von Richard Stallman bereits 1989 die GNU General Public License (GPL) festgeschrieben worden, die Programmierer_innen und Anwender_innen dazu verpflichtet, die vier Freiheiten immer einzuräumen. Die Bedingung, dass ein Werk (wie Software, Buch etc) nur unter derselben Bedingungen verändert und weitergegeben werden darf, wird als Copyleft bezeichnet und steht so dem Copyright und dessen totalem Kopierverbot entgegen.

    Es gibt keine Freie Software ohne eine soziale Bewegung für Freie Software. Neben Programmierer_innen, die ihre Software unter die Bedingungen der GPL stellen, gehören auch Aktionen gegen Einschränkungen der vier Freiheiten zum selbstverständlichen Engagement dieser Bewegung – Widerstand gegen Copyright-Verschärfungen, gegen die Kriminalisierung der Privatkopie als “Raubkopie”, und das “Digital Rights Management” (DRM).