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  • E-Mail-Listen und Mitglieder-Datenbanken: Adressen zum Adressieren

    Mit der E-Mail, dem Aufkommen der elektronischen Post, ist zwangsläufig die Enstehung neuer Verzeichnisse verbunden. Neben alten klassischen Adressregistern und vergleichsweise jüngeren Telefonbüchern sind es jetzt elektronische Adressbücher, E-Mail-Verzeichnisse, in denen wir Kontakte gespeichert halten. Das digitale Speichern von Kontaktdaten verdrängt langsam aber bestimmt analoge Adressbücher auf Papier. Software zur Kontaktverwaltung gehört zum Kernrepertoir von Computern und unterstützt das Organisieren immer größerer Register, die leichter zu filtern, zu sortieren und aktuell zu halten sind, als mit Bleistift geführte persönliche Adressbücher oder Karteikästen voller Datenblätter. Parallel dazu verdrängt das Adressieren anderer via E-Mail-Adresse als neue Kommunikationsform schrittweise auf immer mehr Ebenen den Briefverkehr. Unsere Telefone beginnen Telefonnummern zu speichern, auch unsere Telefonbücher wandern in den digitalen Speicherraum.

    Ob E-Mail, SMS oder Telefon, “Adressen” beziehungsweise Anschriften müssen kaum mehr geschrieben oder getippt werden, wir adressieren andere per Klick, einfach, schnell und effizient. Besonders augenfällig ist diese Effizienz des Adressierens, wenn mit einer E-Mail mehrere Adressat_innen angeschrieben werden sollen. Der Aufwand für Massenaussendungen und damit auch die Hürden sind seit E-Mail und elektronischer Kontaktverwaltung extrem gering geworden. Die anderen Seiten dieser Entwicklung heißen Informationsüberflutung und Spam.

    Kontakt(adressen) zu haben ist eine Bedingung, Menschen individuell zu erreichen, also möglichst direkt und persönlich. Kontakte zu haben bedeutet soziales Kapital, wobei sowohl Anzahl als auch Art und Verbindlichkeit der Kontakte eine Rolle spielen. Elektronische Datenverarbeitung (EDV) und Internet haben die Ambivalenz des “Kontakte Habens” verschoben. Während es heute sehr viel einfacher ist, viele Kontaktadressen zu sammeln und diese Adressen zu adressieren, ist umgekehrt die Wahrscheinlichkeit extrem gestiegen, dass die Adressen zum Kontaktieren nicht mehr geeignet sind.

    Kontakte sind weiterhin Kapital, das Umsetzen dieses Kapitals in Aktion wird aber in dem Ausmaß schwieriger, in dem sich Kontaktadressen immer leichter sammeln und anschreiben lassen. Verbindlichkeit ist stark von den Kontakten abhängig, aber auch von den Kanälen und vom Nachrichtenwert. Für manche Nachrichten bringt weiterhin der Briefverkehr verbindlichere Reaktionen als E-Mail-Aussendungen. Für dringende Informationen noch besser geeignet ist der SMS-Kanal. Mit der Emergenz des Web 2.0 und der Social Media Plattformen sind weitere Adresssysteme zu Postanschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse hinzugekommen. Die Kanäle zum Kontaktieren und Erreichen anderer fragmentieren sich weiter aus. Die Regeln sind werden neu ausverhandelt, welche Kanäle größere Verbindlichkeit mit sich bringen und wo Kontaktadressen qualitativ besser sind.