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  • Social Networks und die Netzwerk-Gesellschaft

    Von «Sozialen Netzwerken» sprechen die Sozialwissenschaften unabhängig von den “Social Networks” genannten Plattformen wie Facebook. Gemeint sind allgemein: Beziehungsnetzwerke zwischen Akteuren, wobei zwischen starken und schwachen Beziehungen differenziert werden kann. Merkmale für “starke Beziehungen” sind hohe Kontakthäufigkeit, lange Bekanntschaftsdauer, emotionale Intensität und anhaltende Gegenseitigkeit. “Schwache Beziehungen” stehen für das Gegenteil. Damit ist klar, dass Kontaktbeziehungen in Social Media Plattformen allein nur “schwach” sein können und umgekehrt “starke Beziehungen” sich auch in Social Media-Kontakten abbilden werden. Auf der Hand liegt außerdem, dass online gebildete vorerst “schwache Beziehungen” natürlich zu “starken Beziehungen” werden können, wenn durch den online Kontakt weitere Beziehungsebenen angeregt werden. Die Regel wird das nicht sein.

    Plattformen wie Facebook können wir eigentlich besser als “Soziale-Netzwerke-Systeme” verstehen. Facebook selbst ist kein soziales Netzwerk sondern bietet eine leistungsfähige technische Infrastruktur, unsere sozialen Netzwerke online abzubilden, sie zu stabiliseren, wo wir auf Grund von Distanzen höhere Kontakthürden haben, und unsere Netzwerke zu erweitern, sowohl um ein loses Netz “schwächerer Beziehungen” als auch um neue Kontakte, mit denen wir die relevanteren, “starken Beziehungen” einzugehen beginnen.

    Netzwerke sind in aller Munde, Zeitdiagnosen sprechen seit Ende der 1990er Jahre von einer «Netzwerkgesellschaft» und uns allen ist klar, dass es soziale Netzwerke vor Facebook und vor dem Internet gegeben hat. Der Begriff des «Netzwerkes» allein bezeichnet eine Konstellation aus Beziehungen und Knotenpunkten, zwischen denen direkte Verbindungen bestehen. Bemerkenswert ist, dass eine formale Netzwerktheorie viel über Netzwerkstrukturen und Netzwerke an sich aussagen kann, bevor unterschieden wird, ob es um Computer-Netzwerke, Kommunikationsnetzwerke, die so genannten «Social Networks» oder Beziehungsnetzwerke von Menschen geht. Am bekanntesten ist die Regel, dass Verbindungen zwischen zwei Knotenpunkten dann stabil sind, wenn sie den Teil eines Beziehungsdreiecks bilden.

    Und was meint der bekannte Netzwerkforscher, wenn er vom «Macht-Irrtum der Sozialen Netzwerke» spricht und Netzwerke in Social Media analytisch von den «Netzwerken der Macht» unterscheidet? Bei allen tatsächlich nennenswerten Machtverschiebungen durch Social Media, die Macht- und Elitenetzwerke werden durch Social Media nicht angekratzt, funktionieren anders und um sie müssten wir uns vermehrt kümmern.