Dokumentation Social Media

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  • The Power of Twitter

    Wenn es um Geschwindigkeit und Autonomie bei der Informationsweitergabe geht, ist Twitter derzeit das mächtigste Social Media Werkzeug. Von der Podcasting Firma Odeo 2006 als internes Kommunikationstool gestartet, wurde Twitter sehr schnell und kreativ für verschiedenste Anwendungen umgeformt. Einer breiteren Masse an Menschen wird «Twitter» im Zuge spektakulärer Ereignisse ein Begriff, wenn es Meldungen auf dieser Plattform sind, die deutlich vor den Breaking News der “Corporate Media” weltweite Öffentlichkeiten erreichen; so etwa schon bei dem Terroranschlag in einem Luxushotel in Mubai oder durch die Flugzeugabstürze am Amsterdamer Flughafen und später im Hudson River in New York. Die ersten Bilder verbreiten sich via Twitter. Selbst die Redaktionen der Medienhäuser erhalten durch das Monitoring dieser Plattform ihre Erstinformation neuer Ereignisse.

    Unter anderem entwickelt sich Twitter rasch zur praktikablen Kommunikationsplattform von politischen Aktivist_innen in prekären Umfeldern. Der Aufstand nach den Wahlen im Iran 2009 zeigte, wie durch die Nutzung von Twitter totale Zensur umgangen werden kann. «Twitter, das Medium der Bewegung», schreibt TIME im Juni 2009 zu den Protesten. Und auch wenn die Bedeutung von Twitter bei Großereignissen regelmäßig überschätzt wird, Studien im Nachhinein zeigen, dass die Masse der Twitter-Nachrichten von Kanälen abseits der Krisenherde ausgehen und viel Fehlinformation verbreitet wird, an der eminenten Relevanz dieser Social Media Plattform ändert das nichts. Im Fall der Proteste im Iran 2009 und später der Volksaufstände in Tunesien und Ägypten 2011 verbreiten sich Informationen über Proteste, Polizeibrutalität, Folter und Mord weltweit zuerst via Twitter.

    Twitter ist innerhalb von Demonstrationszügen und zur Live-Berichterstattung von Kundgebungen, Streiks oder anderen Aktionen einsetzbar. Dazu bedarf es allein eines Smartphones, eines Twitteraccounts und Nachrichten in SMS-Länge. Wie kein anderer Dienst ermöglicht Twitter das einfache wie schnelle Zusammenschalten bestehender Netzwerkstrukturen im Falle besonderer Ereignisse. Verbreitet werden so nicht nur Textinformationen von unter 140 Zeichen sondern vielmehr vorort mit dem Smartphone gemachte Fotos und Videos, sowie Links zu Live-Streams oder längeren Texten an anderer Stelle. “Breaking News” sind mit einem Klick in das eigene Netzwerk weiterleitbar, so wie es nur eines Klicks bedarf, gerade wichtige Nachrichtenverteiler zu abonnieren oder die Twitterstruktur auf das gerade interessierende Thema umzuschalten. Über den Filter des hashtags ensteht augenblicklich ein Echtzeit-Newsticker zum Ereignis, sei das #unibrennt, #S21, #egypt oder etwa die Diskussion zu einer Konferenz, einem Medienereignis, einer Organisation wie #wikileaks.

    Twitterkanäle werden je nach Nutzungsverhalten verwendet, Interessent_innen über eigene Aktivitäten am Laufenden zu halten oder sich selbst via Twitter am Laufenden zu halten, sich an Debatten und Diskursen zu beteiligen, mit Freund_innen zu plaudern oder Twitteratur zu produzieren beziehungsweise zu “faven”, also zu goutieren. Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von passiv bis aktiv. Wer die kommerzielle Ausrichtung scheut kann zudem auf die Freie Software identi.ca zurückgreifen und trotzdem in der globalen Zwitscheria mitmischen.