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  • WatchBlogs – Dokumentationen der Aufmerksamkeit

    Ein WatchBlog verdankt seine Existenz in der Regel dem Umstand, dass jemand befindet, einer Sache wird weniger Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Kontrolle gewidmet, als uns gut tut. Das WatchBlog von Englisch «to watch», «aufpassen, beobachten», ist nicht nur die chronologisch fortlaufende Dokumentation der Beobachtungen. Es ist der sichtbare Ausdruck dafür, dass eine einzelne Person, Gruppe oder Organisation es für Wert befindet, dass sie sich und wir uns mit dieser Sache auseinandersetzen, weil unsere anderen gesellschaftlichen Kontrollsysteme das nicht ausreichend tun.

    Das WatchBlog ist damit eine spezifische Form und auch eine der wichtigsten Spielformen des “Logbuchs im Web”, es ist die Selbstorganisation der Kontrollfunktion, die als Ideal für das Mediensystem postuliert wird, von den Massenmedien aber kaum geleistet wird.

    Ein Watch-Web-Log beobachtet kritisch, es begleitet Entwicklungen laufend und dokumentiert, wie mächtige Unternehmen, Personengruppen oder Massenmedien agieren und operieren, was sie vorgeben zu wollen und was sie wirklich praktisch tun. So dokumentiert beispielsweise das NPD-Blog die Umtriebe der NPD, rechtsextreme Aktivitäten, Verbindungen und Netzwerke. Frontexwatch hat ein Auge auf die europäische Grenzschutzagentur «Frontex», die Migrant_innen die Fluchtwege in Richtung der “Festung Europa” auf jede erdenkliche Weise unmöglich machen soll. Das BILDblog nennt sich selbst «Ein Watchblog für Deutsche Medien» und sammelt die von journalistischen Idealen weit abweichenden Falschmeldungen der Massenmedien, was im Kleineren und für Österreich auch das Medienwatchblog «Kobuk» leistet.

    Eine Blog muss nicht im engeren Sinn als WatchBlog firmieren, um die Funktion zu erfüllen. Bereits vor 1999 hieß eine der wichtigsten, heute nicht mehr existierenden Seiten im Netz «WTOwatch.org». Das annalist-Blog widmete sich der außergewöhnlichen Situation, von den Behörden bespitzelt und unter Terrorverdacht gestellt zu werden. Das wissenschaftlich fundierte surveillance-studies-Blog dokumentiert Entwicklungen und Auswüchse der Überwachungstechnologien, mit dem dROMa-Blog zeugt auch von der Verfolgung und Repression gegen Roma, das bedeutende Netzpolitik-Blog erfüllt WatchBlog-Funktion gegen Angriffe auf ein freies Netz und das Blog von Fefe widmet sich all diesen Aspekten auf seine eigentümliche Weise. Und schließlich ist es oft die Tätigkeit kritischer NGOs, die uns Logbücher besser zu kontrollierender Vorgänge anbietet, oder ist die Rubrik «Lügendetektor» des GreenPeace Magazins etwa kein schönes WatchBlog Beispiel?